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Was ist Fotogrammetrie? Einfach erklärt

Fotogrammetrie macht aus Fotos ein präzises 3D-Modell. Wie das funktioniert, wann es sich lohnt und was dabei herauskommt.

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Sie haben ein physisches Objekt — ein Maschinenteil, ein Kunstwerk, ein Gebäude — und brauchen ein digitales 3D-Modell davon. Ohne technische Zeichnung. Ohne teuren Laserscanner. Genau dafür ist Fotogrammetrie gemacht.


Wie funktioniert Fotogrammetrie?

Das Prinzip ist überraschend einfach: mehrere Fotos desselben Objekts aus verschiedenen Winkeln, und Software berechnet daraus ein dreidimensionales Modell. Die einzelnen Schritte:

  1. Foto-Aufnahme — 30–80 Bilder des Objekts, gleichmäßig verteilt um alle Seiten und Winkel. Jede Fläche sollte auf mindestens drei Fotos sichtbar sein.
  2. Feature-Matching — Die Software erkennt gemeinsame Bildpunkte auf mehreren Aufnahmen und vergleicht deren Position. Aus diesen Übereinstimmungen berechnet sie, wo die Kamera für jedes Foto gestanden hat.
  3. Punktwolke — Aus Tausenden korrelierter Bildpunkte entsteht ein dreidimensionales Punktraster, das die Form des Objekts beschreibt.
  4. Mesh-Rekonstruktion — Die Punktwolke wird zu einer geschlossenen 3D-Oberfläche verbunden — dem eigentlichen 3D-Modell.
  5. Export — Das fertige Modell wird als OBJ, STL, PLY oder STEP ausgegeben.

Die Software übernimmt dabei die gesamte Geometrie-Mathematik, die früher Vermessungsingenieure per Hand gemacht haben.


Was kommt dabei heraus?

Je nach Verwendungszweck gibt es verschiedene Ausgabeformate:

  • OBJ — Mesh mit Textur und Farbe, ideal für Visualisierung und Rendering
  • STL — Mesh ohne Textur, direkt für 3D-Druck verwendbar
  • PLY — Punktwolke, Ausgangspunkt für CAD-Weiterverarbeitung
  • STEP — parametrisches CAD-Format, nach Nachbearbeitung für Konstruktion und CNC nutzbar

Die typische Genauigkeit liegt bei ±0,5–2 mm je nach Objektgröße und Oberflächenbeschaffenheit. Was das konkret bedeutet und welche Faktoren die Präzision beeinflussen, erklärt der Artikel Wie genau ist Fotogrammetrie?.


Wann lohnt sich Fotogrammetrie?

Fotogrammetrie ist die richtige Wahl, wenn… ein physisches Objekt digital werden soll, keine technische Zeichnung existiert, kein Budget für teures Laserscanning vorhanden ist, oder Textur und Farbe mit digitalisiert werden sollen.

Fotogrammetrie nutzt eine normale Kamera oder ein Smartphone — kein Spezialgerät notwendig. Das macht das Verfahren zugänglich für Anwendungsfälle, die früher nur mit teurer Hardware möglich waren. Der Vergleich mit Laserscanning — wann welches Verfahren die bessere Wahl ist — findet sich im Artikel Fotogrammetrie vs. Laserscanning.


Wer nutzt Fotogrammetrie?


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